11.05.2025 Redondela – Pontevedra
Etappe Redondela – Pontevedra
Der Tag begann unter grauen Wolken, und schon bald bestätigte sich die Vorhersage: Regen begleitete meinen Weg. Ohne große Vorwarnung öffnete der Himmel seine Schleusen, und in einer Mischung aus Hektik und Gelassenheit – ja, so etwas gibt es – zog ich den Regenponcho über und stapfte weiter.
Die Landschaft entschädigte für das Wetter. Mal ging es steil bergauf, was meine Füße noch immer in Erinnerung halten, mal wieder bergab durch kleine Täler. Zwischen Eukalyptusbäumen, uralten Steinmauern und vereinzelten Dörfern spürte ich, wie der Camino auf dieser Etappe nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fordert.

Auf dem Weg begegnete ich vielen anderen Pilgern. Der Camino scheint jeden Tag ein Stück lebendiger zu werden – manchmal fast zu lebendig. Nicht alle teilen dabei den Geist des Weges. Manche drängen sich nach vorn, manche tragen ihre eigene Eitelkeit offen zur Schau. Doch auch das ist Teil der Vielfalt menschlicher Wege. „Leben und leben lassen“ – vielleicht eine der wichtigsten Lektionen des Camino. Jeder trägt sein Päckchen, jeder sucht auf seine Weise.
Umso dankbarer war ich, dass es neben der Hauptstrecke auch ruhigere Abzweigungen gibt. Der Camino Complementario führte mich durch stillere Landschaften, vorbei an kleinen Bächen und grünen Wiesen, die vom Regen glänzten. Eine schönere und friedlichere Wahl – hier konnte ich wieder spüren, was der Jakobsweg eigentlich bedeutet: Schritt für Schritt bei sich selbst ankommen.
Unterwegs öffnete sich der Blick auf Pontevedra, eine Stadt mit reicher Geschichte und besonderen Sehenswürdigkeiten. Besonders eindrucksvoll ist die Kirche Iglesia de la Virgen Peregrina, die der Schutzpatronin der Pilger gewidmet ist und in Form einer Jakobsmuschel erbaut wurde – Sinnbild für all jene, die sich auf den Weg machen. Auch die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen strahlt jene Mischung aus Ruhe und Lebendigkeit aus, die nur Orte besitzen, an denen seit Jahrhunderten Pilger Rast machen.
Am Abend war ich müde, durchnässt und doch erfüllt. Der Camino lehrt, dass selbst Regentage einen Glanz haben – wenn man bereit ist, ihn zu sehen. Vielleicht ist das eine kleine Wahrheit des Pilgerns: Die äußeren Umstände sind nicht entscheidend, sondern die Haltung, mit der man ihnen begegnet.
Morgen geht es weiter nach Caldas de Reis.
Redondela – Pontevedra Gallerie 01
Redondela – Pontevedra Gallerie 02
Redondela – Pontevedra Gallerie 03


