13.05.2025 Caldas de Reis – Padron
Caldas de Reis nach Padrón
Heute führte mich der Jakobsweg von Caldas de Reis nach Padrón – die letzte Station, bevor morgen das große Ziel in Santiago de Compostela erreicht ist. Der Morgen begann, wie schon so oft in den vergangenen Tagen, mit Regen.
Die Schuhe noch feucht vom Vortag, der erste Gedanke: „Och nö, nicht schon wieder…“ Doch der Camino lehrt, dass wir nicht alles kontrollieren können – manchmal heißt es einfach: den Blick nach vorne richten, das Ziel fest im Herzen tragen und losgehen. Ab etwa 10 Uhr klarte der Himmel auf, und die Tropfen wichen einem angenehmen, trockenen Weg.
Die Etappe zeigte sich in sanfter Schönheit: kleine Wälder, saftig grüne Wiesen, Bäche, die leise ihr Lied sangen, und ein paar milde Anstiege, die gut zu bewältigen waren.

Immer wieder tauchten alte Steinkreuze und kleine Kapellen am Wegesrand auf – stille Zeugen der Jahrhunderte, die Pilger schon vor mir gegangen sind. Besonders eindrucksvoll waren die alten Brücken und die engen Gassen in den kleinen Ortschaften, die mich das Gefühl von Geschichte und Verbundenheit spüren ließen.
Unterwegs lernte ich einen Mitpilger kennen, dessen Geschichte mich tief berührte: Mit 35 Jahren wurde bei ihm Parkinson diagnostiziert, heute ist er 52 – und er geht zum ersten Mal den Camino, ganz allein. Ein Mensch voller Lebensfreude, Mut und Dankbarkeit. Diese Begegnung erinnerte mich daran, wie oft wir im Alltag über Kleinigkeiten klagen, während andere mit großen Hürden zu kämpfen haben – und dennoch weitergehen.
Der Camino ist mehr als ein Weg: Er ist ein Spiegel. Er zeigt uns, wie viel wir schon tragen, und dass es manchmal genügt, Schritt für Schritt voranzugehen.
In Padrón, meiner heutigen Zielstadt, weht ein Hauch von Geschichte: Hier soll das Boot mit dem Leichnam des Apostels Jakobus nach seiner Hinrichtung in Jerusalem angelandet sein. Die kleine Kirche Iglesia de Santiago erinnert daran, ebenso der berühmte „Pedrón“, ein Stein, an dem das Boot festgemacht haben soll. Dieser Ort verbindet Mythos, Geschichte und Spiritualität auf einzigartige Weise.
Mit jedem Kilometer wächst meine Dankbarkeit: für die Landschaft, für die Begegnungen, für die Möglichkeit, diesen Weg gehen zu dürfen. Vielleicht ist genau das die Philosophie des Camino: Nicht auf das warten, was noch kommt, sondern das Hier und Jetzt bewusst annehmen.
Morgen wartet Santiago – doch schon heute fühlt es sich an, als sei das Ziel nicht nur ein Ort, sondern auch eine Haltung.
Caldas de Reis – Padron Gallerie 01
Caldas de Reis – Padron Gallerie 02


