Wer weiß, wofür es gut ist?

Nicht jedes Glück bleibt Glück und nicht jedes Unglück bleibt Unglück. Manches zeigt seine Bedeutung erst viel später.
Ein Bauer lebte mit seinem Sohn und einem Pferd am Rand eines Dorfes. Eines Tages lief das Pferd davon. Die Nachbarn bedauerten ihn: „Was für ein Unglück!“
Der Bauer antwortete nur: „Vielleicht. Wer kann das schon wissen?“
Einige Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte mehrere Wildpferde mit. Nun gratulierten die Nachbarn: „Was für ein Glück!“
Der Bauer sagte wieder: „Vielleicht. Wer kann das schon wissen?“
Beim Einreiten eines der Tiere stürzte sein Sohn und verletzte sich am Bein. Die Nachbarn sprachen erneut von großem Unglück. Wenig später kamen Soldaten ins Dorf, um junge Männer einzuziehen. Wegen seiner Verletzung durfte der Sohn zu Hause bleiben.
Das Leben hatte dieselbe Situation immer wieder in ein anderes Licht gerückt.
Gelassenheit bedeutet nicht, dass uns alles gleichgültig wird. Wir dürfen uns freuen, traurig sein und hoffen. Doch wir müssen nicht jedes Ereignis sofort zu einem endgültigen Urteil machen. Manchmal ist das ehrlichste Wort: „Ich weiß es noch nicht.“
Ein Impuls für dich
Welche Situation könntest du heute für einen Moment betrachten, ohne sie sofort als gut oder schlecht festzulegen?
Eigenständige Nacherzählung einer alten chinesisch-taoistischen Parabel, die in Varianten auf das „Huainanzi“ zurückgeführt wird.
