Der Rucksack am Wegrand

Ein Wanderer öffnet an einer Quelle seinen Rucksack und legt einige Steine behutsam am Wegrand ab.

Nicht alles, was wir lange getragen haben, muss auch den nächsten Wegabschnitt mitgehen.

Ein Wanderer zog seit vielen Jahren von Ort zu Ort. Auf seinem Rücken trug er einen großen Rucksack, den er nur selten absetzte. Darin lagen nützliche Dinge: eine Decke, etwas Brot, eine kleine Laterne und ein Messer. Doch zwischen ihnen befanden sich auch Steine.

Jeder Stein erinnerte ihn an etwas, das nicht so geworden war, wie er es sich gewünscht hatte. Einer stand für ein hartes Wort, das er nie vergessen konnte. Ein anderer für eine Gelegenheit, die er verpasst hatte. Manche Steine wusste er längst nicht mehr zu benennen. Trotzdem trug er sie weiter.

An einem steilen Wegstück traf er eine Frau, die am Rand einer Quelle saß. Sie bemerkte, wie schwer er atmete, und fragte: „Was brauchst du aus deinem Rucksack für den heutigen Weg?“

Der Wanderer öffnete ihn. Er zeigte ihr Decke, Brot, Laterne und Messer. Dann kamen die Steine zum Vorschein.

„Und wofür brauchst du sie heute?“, fragte die Frau.

Der Wanderer wollte antworten, doch ihm fiel nichts ein. Einige Steine gehörten zu Erfahrungen, aus denen er gelernt hatte. Aber das Gelernte befand sich nicht im Stein. Es war längst Teil von ihm geworden.

Er legte nicht alle Steine ab. Einen kleinen nahm er noch ein Stück mit, weil er Zeit brauchte. Die anderen ließ er an der Quelle zurück. Als er weiterging, war der Weg noch immer steil. Doch zum ersten Mal seit Langem konnte er den Blick heben.

Loslassen bedeutet nicht, dass etwas nie geschehen ist. Es kann bedeuten, zu prüfen, ob wir die ganze Last noch benötigen – oder ob die Erfahrung bleiben darf, während das zusätzliche Gewicht am Wegrand zurückbleibt.

Ein Impuls für dich

Was trägst du noch aus Gewohnheit – und was davon brauchst du für deinen heutigen Weg wirklich?

Eigenständiger Chamyli-Text.


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